Ein Jahr Einweg-Pfandsystem – wie lautet die Bilanz?
- Sabine Dämon

- vor 9 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Anfang 2025 wurde in Österreich die Pfandpflicht auf Einweg-Getränkeverpackungen aus Kunststoff und Metall eingeführt. Mit der 1-Jahres-Bilanz ist die EWP Recycling Pfand Österreich sehr zufrieden: Mehr als acht von zehn Pfandgebinden fanden den Weg zurück. Auch in Schulbuffets gehört die Rückgabe mittlerweile zum Alltag – mit einigen praktischen Herausforderungen.

Am 1. Jänner 2025 startete die Pfandpflicht auf Einweg-Getränkegebinde aus Kunststoff oder Metall und damit eines der größten Österreichischen Projekte zur Ankurblung der Kreislaufwirtschaft. Denn beim Thema Recycling von Wertstoffen ist hierzulande noch „Luft nach oben“. Das zeigte auch eine im Vorfeld von SIPCAN durchgeführte Studie zur Mülltrennungspraxis an Österreichs Schulen ab der fünften Schulstufe: Nur etwa eine von drei Schulleitungen gab an, dass das Trennen von Plastik bzw. Metall im Schulhaus sehr konsequent funktioniert. Die damals nahende Einführung der Pfandpflicht wurde von etwas mehr als der Hälfte (56 %) als positive Maßnahme bewertet, etwa ein Drittel (31 %) stand ihr jedoch kritisch gegenüber – in erster Linie aufgrund zusätzlicher organisatorischer und personeller Anforderungen.
Positive Zahlen: Sammelziel 2025 erreicht
Trotz unterschiedlicher Diskussionen rund um die Einführung des Pfandsystems zieht ein Jahr danach die EWP Recycling Pfand Österreich, die für die Abwicklung des Pfandsystems zuständig ist, eine zufriedene Bilanz: 1,4 Milliarden Flaschen und Dosen wurden 2025 dank der aktiven Teilnahme der Konsument*innen zurückgegeben. Das entspricht einer Sammelquote von 81,5 Prozent. Die Zielvorgabe der österreichischen Pfandverordnung von 80 Prozent im ersten Jahr wurde damit erreicht. Bis 2027 soll diese mindestens 90 Prozent betragen und so schon zwei Jahre früher die geforderte Vorgabe der EU erfüllen. Was mit den retournierten Getränkeverpackungen geschieht: Sie werden sortiert und wieder an die Getränkehersteller verkauft. Diese lassen das Material in die Produktion neuer Getränkeflaschen und Dosen einfließen. So kann die Recylingquote erhöht und Rohstoffe können eingespart werden. Erstmals steht damit in Österreich ausreichend recyceltes Material für die Produktion neuer Gebinde zur Verfügung. Seit 2025 gilt nämlich auch die Vorgabe, dass Kunststoffflaschen zu 25 % aus Recyclingmaterial bestehen müssen.
Gemischte Stimmung bei Getränkelieferanten und Buffetbetreibern in Schulen
In den Schulbuffets gehört die Pfand-Rückgabe mittlerweile zum Alltag. Dort können auch die leeren Gebinde von Getränken retourniert werden, die zuvor bei nahe platzierten Getränkeautomaten gekauft wurden. Die Stimmung unter Getränkelieferanten zeigt sich in Gesprächen gemischt: Der Ablauf in den Schulen funktioniere erfahrungsgemäß gut. Freude mit dem Mehraufwand habe keiner, aber es gäbe ohnehin keinen Ausweg. Nur das Zwischenlagern der gefüllten Sammelsäcke bis zur Abholung mache aus Platzgründen in manchen Schulen Probleme, weil die Säcke mit dem wertvollen Inhalt bis zur Abholung verschlossen aufbewahrt werden müssen. Was ganz allgemein als ein merkbar positiver Aspekt des neuen Pfandsystems bewertet wird: Das Image von Plastik als Getränkeverpackung scheint sich etwas verbessert zu haben. Und das "Littering" – also das achtlose Wegwerfen von Müll in die Natur – konnte offensichtlich reduziert werden.
Ein umfangreiches Feedback aus der täglichen Praxis eines Schulbuffetbetreibers schildert Nadine Wöckinger von mica Buffet & Catering aus Oberösterreich:
Wir nehmen die Pfandflaschen an unseren Standorten mit Buffetverkauf zurück. Die Menge variiert stark – je nach Schulgröße und Engagement sammeln wir pro Schule im Schnitt mehrere hundert Flaschen pro Monat. Über unser Benutzerkonto bei EWP bestellen wir die Sammelsäcke und registrieren die vollen Säcke zur Abholung – das funktioniert unkompliziert und ist mittlerweile zwischen unserem Büro und unseren Mitarbeiter*innen vor Ort gut eingespielt.
Zu den größten Herausforderungen zählen vor allem der Platzmangel in manchen Schulen zur Lagerung der vollen Säcke und auch die Verlässlichkeit der Abholkette. Die Mitnahme durch den Lieferanten klappt in den meisten Fällen zuverlässig, vereinzelt gibt es jedoch Verzögerungen oder es werden nicht alle bereitgestellten Säcke mitgenommen. Wenn volle Säcke länger stehen bleiben, leidet die Akzeptanz bei allen Beteiligten.
Ein großes praktisches Problem zeigt sich auch täglich im Buffet an der Kasse. Da Getränk und Pfand unterschiedliche Steuersätze haben, müssen beim Verkauf pro Artikel zwei verschiedene Tasten gedrückt werden. Das ist nicht nur umständlich, sondern in den Pausen – wenn großer Andrang herrscht und Schüler wie Lehrer es eilig haben – ein belastender Zeiträuber. Der Verkaufsablauf wird dadurch erheblich ausgebremst. Hier wäre dringend eine technische Vereinfachung wünschenswert. Leider hat unser Kassenanbieter dazu keine Lösung.
Die Zusammenarbeit mit den Schulen läuft jedenfalls insgesamt gut. Was uns aber auffällt: Immer wieder werden leere Pfandflaschen beim Buffet abgestellt, ohne dass die Kunden auf die Pfandrückgabe bestehen oder diese aktiv einfordern.
Bewusstseinsbildung in den Schulen
Das Wissen und Bewusstsein über die Bedeutung von Wertstoffen, Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung sowie die nötigen Kompetenzen für einen nachhaltigen Umgang mit Verpackungsmaterialien sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Maßnahmen wie das Einweg-Pfandsystem oder die Mülltrennung im Schulhaus auch richtig und wirksam umgesetzt werden. Schulen können dies bei ihren Schüler*innen schon in jungen Jahren fördern – als Unterstützung legen wir unser Programm „Schlau trinken & recyceln“ ans Herzen!
IM FOKUS: Schulverpflegung in Österreich. "Mülltrennung und Einwegpfandpflicht an österreichischen Schulen" (2024) >>
Presseinformation der EWP, 28.01.26:








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