Wie werden Österreichs Volksschulen mittags verpflegt?
- Sabine Dämon

- vor 3 Tagen
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Die Antworten auf diese Frage waren bislang nur spärlich. Eine bundesweite Studie, die von SIPCAN initiiert und koordiniert wurde, bringt erstmals Licht ins Dunkel. Ein auffallendes Ergebnis dabei: Während die Ansprüche an die Mittagsverpflegung hoch sind, gelingt die Umsetzung in der Praxis nur teilweise. Viele Schulleitungen wissen nicht über eine etwaige Auszeichnung der angebotenen Qualität Bescheid.

Eine gesundheitsfördernde, kindgerechte Mittagsverpflegung in der Schule kann vieles leisten. Es wird nicht nur ein Grundbedürfnis gestillt, sondern auch die Ernährungs- und Gesundheitskompetenz der Kinder gestärkt, die Leistungsfähigkeit im Schulalltag unterstützt und Geschmackspräferenzen sowie Essgewohnheiten bis ins spätere Leben geprägt. Internationale Studien zeigen, dass Kinder aus armutsgefährdeten Familien von einer täglichen, guten Schulmahlzeit langfristig besonders profitieren.
Obwohl diese Zusammenhänge inzwischen gut belegt sind und der Bedarf auch hierzulande hoch ist, waren strukturierte Maßnahmen und auch das Wissen über den Status Quo besonders an Österreichs Volksschulen bislang mangelhaft. Eine neue Studie zeichnet nun erstmals ein klares Bild über die Versorgungsangebote für unsere jüngsten Schüler*innen. 269 Schulleiter*innen von Volksschulen (VS), die ihren Mittagstisch intern organisieren, gaben dabei über ein computergestütztes Interview Auskunft. Hier einige der zentralen Ergebnisse:
An 81 % der VS wird der Mittagstisch täglich angeboten, an 15 % der VS an vier Schultagen (an den übrigen VS an weniger Tagen).
Das Essen wird hauptsächlich von externen Catering-Unternehmen, Gasthäusern und Senior:innenheimen angeliefert (81 % der Angaben). Dabei kommen die verschiedenen Verpflegungsformen unterschiedlich häufig zum Einsatz. In mehr als der Hälfte der Fälle ist es „Cook & Hold“ (warm gehaltenes Essen, 56 %) – besonders häufig im Burgenland (94 %), Kärnten (81 %) und Niederösterreich (68 %). In Wien überwiegt „Cook & Chill“ (gekühlt, 89 %), ebenso wie in Vorarlberg (41 %). „Cook & Freeze“ gibt es seltener – vor allem in Salzburg (24 % der VS), Tirol (16 %), Niederösterreich (11 %) und der Steiermark (10%). (Mehrfachantworten, da Verpflegungsformen auch parallel genutzt werden).
Die qualitativen Ansprüche sind bei den meisten Schulleiter*innen hoch: besonders viele legen Wert auf vegetarische Angebote (96 %) sowie auf regionale (89 %) und saisonale (87 %) Küche.
Als Getränke am Mittagstisch dominieren Leitungswasser (an 100 % der VS), in jeder dritten Schule (33 %) stehen aber auch zuckerreiche Sirupgetränke am Tisch.
Ob für das Essensangebot an der Schule eine Auszeichnung für kindgerechtes Essen vorliegt, darüber wussten 37 % der befragten Schulleiter*innen, also mehr als jeder dritte, nicht Bescheid. Von den „informierten“ konnten nur 29 % bestätigen, dass der Mittagstisch der Schule über eine Auszeichnung verfügt. Die meisten Schulen mit ausgezeichneter Verpflegung gibt es laut dieser Befragung in Oberösterreich (72 %) – gefolgt vom Burgenland (43 %), Vorarlberg (42 %) und Niederösterreich (23 %).
„Wenn Schulleiter*innen gar nicht wissen, ob ihr Mittagstisch den Kriterien für kindgerechtes Essen entspricht oder entsprechend zertifiziert ist, sagt dies viel über den Stellenwert des Mittagstisches aus“, so der Studienleiter Manuel Schätzer in einer aktuellen Presseinformation. Die Verpflegungsart entscheidet jedenfalls nicht darüber, wie gesundheitsfördernd das Essen ist, denn alle Systeme haben Vor- und Nachteile. Zudem kommt es auch maßgeblich auf die Schulausstattung an – ein Faktor, der auch in Fachkreisen schon lange nach umfassender öffentlicher Unterstützung schreit. Auszeichnungen für gesundheitsförderliche Angebote, wie diese auch SIPCAN anbietet (Der Mittagstisch-Check), fördern jedenfalls die Weiterentwicklung des Mittagstisches, machen die vorhandene Qualität sichtbar und zeigen das wertvolle Engagement des Verpflegungsbetriebes und der Schule.
Mehr über die Studie?
Die bundesweite Studie liefert in zwei „Im Fokus“ Berichten erstmals umfassende Ergebnisse, darunter auch über Zuständigkeiten bei der Speiseplangestaltung und Speisenausgabe, Auswahlmöglichkeiten, Zeit für die Abwicklung des Mittagstisches, vorhandene Räumlichkeiten und Optimierungsbedarf aus schulischer Sicht:
IM FOKUS: Schulverpflegung in Österreich. Der Mittagstisch an Volksschulen. Teil 1
IM FOKUS: Schulverpflegung in Österreich. Der Mittagstisch an Volksschulen. Teil 2
Programme für gesunde Ernährung an 97 Prozent der Volksschulen. Aber: Kindgerechtes Essen an Schulen nur teilweise erreicht.
Download der Presseinformation, Jänner 2026:








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