Weniger Zucker, aber neue Herausforderungen im Milchregal
- Bastian Preissler

- vor 42 Minuten
- 2 Min. Lesezeit
Joghurts, Topfencremen oder Milchdrinks aus dem Supermarktregal werden häufig als praktische Zwischenmahlzeit gewählt. SIPCAN hat erneut die Zucker-, Fett- und Süßungsmittelgehalte analysiert – der aktuelle Check zeigt: Während der mittlere Zuckergehalt über die Jahre erfreulicherweise gesunken ist, müssen andere Trends kritisch hinterfragt werden.

Zuckerreduktion weiter auf dem Vormarsch
Seit dem Jahr 2012 analysiert SIPCAN im Rahmen seines Milchprodukte-Checks jährlich das Sortiment an gesüßten Milchprodukten auf dem österreichischen Markt. In der aktuellen Erhebung 2026 wurden über 1.000 Produkte überprüft. Der durchschnittliche Zuckergehalt (ohne Produkte mit Süßungsmittelzusatz) liegt bei 11,2 g pro 100 ml bzw. g. Das entspricht nicht nur einer weiteren Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr, wo der Wert 11,4 g war, sondern auch einem Rückgang von 20,6 % gegenüber 2012. Damals lag der durchschnittliche Zuckergehalt noch bei 14,1 g pro 100 ml bzw. g. Diese Entwicklung zeigt, dass die kontinuierlichen Bemühungen zur Zuckerreduktion Wirkung zeigen.
Mehr „Positiv“-Produkte zum Löffeln, weniger zum Trinken
Um Konsument*innen bei einer bewussten Auswahl zu unterstützen, hat SIPCAN wissenschaftlich fundierte Orientierungskriterien definiert. Diese lauten: Es sollten maximal 11,0 g Zucker sowie maximal 4,2 g Fett pro 100 ml bzw. g und keine Süßungsmittel enthalten sein.
Insgesamt erfüllen im Jahr 2026 mehr Produkte diese Kriterien als noch im Vorjahr (42,0 % im Vergleich zu 40,6 %). Besonders bei Löffelprodukten zeigt sich eine positive Entwicklung: Hier stieg der Anteil an „Positiv“-Produkten von 34,8 % auf 37,9 %.
Bei Trinkprodukten ist hingegen eine gegenteilige Entwicklung zu beobachten: Der Anteil an Produkten, die den Kriterien entsprechen, sank deutlich von 62,9 % auf 56,3 %. Ein wesentlicher Grund dafür ist der zunehmende Einsatz von Süßungsmitteln.
Immer mehr Produkte mit Süßungsmitteln – vor allem bei „High-Protein“
Süßungsmittel werden häufig als Ersatz für Zucker eingesetzt, um den Energiegehalt zu reduzieren und gleichzeitig den süßen Geschmack zu erhalten. Aus gesundheitsförderlicher Sicht ist eine schrittweise Gewöhnung an weniger Süße jedoch sinnvoller, da sie langfristig zu einer nachhaltigen Reduktion der Zuckeraufnahme beitragen kann.
Umso herausfordernder ist dieser beobachtete Trend: Der Anteil an Produkten mit Süßungsmitteln ist im aktuellen Erhebungsjahr deutlich gestiegen, von 13,3 % im Jahr 2025 auf 17,9 % im Jahr 2026. Zum Vergleich lag dieser Wert von 2014 bis 2024 konstant unter zehn Prozent. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung bei Trinkprodukten, wo der der Anteil im Vergleich zum Vorjahr von 24,5 % auf 31,3 % zunahm. Auch bei Löffelprodukten zeigt sich ein entsprechender Anstieg von 10,4 % auf 14,0 %.
Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist der seit ein paar Jahren anhaltende Trend zu sogenannten „High-Protein“-Produkten. Diese zeichnen sich durch einen hohen Proteingehalt bei gleichzeitig reduziertem Zucker- bzw. Kohlenhydratanteil aus. Um dennoch einen süßen Geschmack zu bieten, werden häufig Süßungsmittel eingesetzt. Bereits im letzten Erhebungsjahr wurde auf diese Entwicklung hingewiesen (Zucker, Süßstoffe, High Protein – ein Blick ins Milchregal).
Gerade bei High-Protein-Produkten lohnt sich daher ein genauer Blick auf die Zutatenliste. Wer auf eine ausreichende Proteinzufuhr achten möchte, kann bevorzugt zu Lebensmitteln greifen, die von Natur aus reich an Protein sind – wie etwa Skyr Natur, Topfen, Hüttenkäse oder griechisches Joghurt. Wer seine Lieblingsprodukte checken möchte, findet alle Ergebnisse des Milchprodukte-Checks in unserer frei zugänglichen Online-Datenbank unter www.sipcan.at/milchprodukte-check.




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