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Hochverarbeitete Lebensmittel als Zuckerfalle

Aktualisiert: 29. Mai

Achtung auch bei handelsüblichen Milchprodukten

Presseinformation, 28.05.2024


Etwa ein Drittel der Nahrungsenergie nehmen die Österreicher*innen täglich über hochverarbeitete Lebensmittel auf. Diese geraten zunehmend in den wissenschaftlichen Fokus: Immer mehr Studien zeigen, dass ein hoher Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel Übergewicht und viele chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen kann. Ein Grund dafür ist der oft hohe Zuckergehalt. Wie der neue Milchprodukte-Check von SIPCAN, für den rund 1.000 Produkte aus ganz Österreich analysiert wurden, zeigt, ist auch bei Milchprodukten wie Fruchtjoghurts, Puddings, Trinkmolke und Milchgetränken Vorsicht geboten. Allen Konsument*innen wird geraten, gezielt auf die Nährwertangaben und die Portionsgröße zu achten.


Zuckerschüssel vor Kühlregal mit Milchprodukten

Das Angebot und der Konsum so genannter „hochverarbeiteter Lebensmittel“ (HVL) nimmt mittlerweile einen großen Anteil in unserer Ernährung ein. So zeigte eine Studie aus dem Jahr 2022 mit Daten aus 22 EU-Ländern: 27,2 % der täglichen Energiezufuhr werden durchschnittlich aus HVL zugeführt. In Österreich liegt dieser Wert mit 30,2 % bei den Frauen und 31,7 % bei den Männern sogar über dem EU-Schnitt. Beinahe ein Drittel der Tagesenergie wird hierzulande also bereits aus HVL zugeführt. „Der hohe Anteil von hochverarbeiteten Lebensmitteln in unserer Ernährung ist Besorgnis erregend, denn immer mehr wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein hoher Konsum dieser Lebensmittel Übergewicht und viele chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen begünstigen kann,“ gibt der SIPCAN Vorstand und Internist Dir. Prim Univ.-Prof. Prim. Dr. Friedrich Hoppichler zu bedenken.

 

Hochverarbeitete Lebensmittel sind oft fett- und zuckerreich

Eine Ursache für die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit ist, dass HVL meist einen hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren, Salz und/oder Zucker aufweisen. Im Gegensatz dazu ist die Menge an gesundheitsfördernden Ballaststoffen, Mineralstoffen und Vitaminen durch die intensive Verarbeitung häufig niedrig – außer sie wurden industriell wieder zugesetzt. Die Dichte an wertvollen Nährstoffen ist in der Regel also gering, jene an Energie aber hoch.


„Gerade wenn es um den hohen Zuckergehalt von Lebensmitteln geht, dreht sich die kritische Diskussion meist um Limonaden, Süßwaren, Mehlspeisen oder Fertiggerichte. Dabei muss der Blick aber auch auf an sich gesundheitsfördernde Lebensmittel gerichtet werden, wie beispielsweise Milchprodukte.“ so Dr. Manuel Schätzer, Studienleiter bei SIPCAN. Als wichtiger Bestandteil der allgemeinen Ernährungsempfehlungen werden sie mit drei empfohlenen Portionen (zu je 200 g bzw. ml) pro Tag sehr häufig und damit auch in relativ großen Mengen konsumiert.


Milchprodukte, die viele Zusätze enthalten, werden laut Definition aber auch zu den hochverarbeiteten Lebensmitteln gezählt. Laut einer Analyse, die 540 in Österreich angebotene Milchprodukte einschloss, können nur 15 % davon als un- bzw. wenig verarbeitet eingestuft werden. 48 % gelten als hochverarbeitet, also jedes zweite Milchprodukt*.


Gleichzeitig weiß man, dass der Konsum von HVL wiederum mit der Aufnahme von freiem Zucker in Verbindung steht. Wer in Österreich die drei empfohlenen Portionen Milchprodukte pro Tag über handelsübliche Fruchtjoghurts, Puddings, Molke- oder andere Milchgetränke abdeckt, konsumiert derzeit allein damit durchschnittlich 68 g Zucker. Selbst wenn man den natürlichen Laktosegehalt der Milchprodukte abzieht, bleiben es noch immer 40 g Zucker. Dies entspricht 80 % der empfohlenen Höchstmenge laut WHO.

 

Zuckerreduktion bei Milchprodukten ist essentiell

Um die Zuckeraufnahme über Milchprodukte zu verringern, setzt sich SIPCAN seit dem Jahr 2012 mit dem Milchprodukte-Check für eine schrittweise Reduktion des Zuckergehaltes ein. Langfristig haben die intensiven Bemühungen bereits viel bewirkt: Seit dem Beginn der Initiative ist der durchschnittliche Zuckergehalt in Milchprodukten von 14,1 g auf aktuell 11,3 g gesunken. Dies entspricht einer durchschnittlichen Reduktion von 19,9 % bzw. 5,6 g Zucker (= rund 1,5 Stück Würfelzucker) weniger pro empfohlene Portion (200 g). Milchprodukte zum Löffeln beinhalten heute durchschnittlich 11,6 g Zucker / 100 g (2012: 14,8 g; -21,6 %), Milchprodukte zum Trinken 9,9 g / 100 ml (2012: 11,93 g; -17,0 %). Wichtig zu wissen ist, dass bei diesen Produkten keine Süßstoffe eingesetzt werden und somit keine Kompensation der Zuckerreduktion durch eine künstliche Süße erfolgt.

 

Orientierungskriterium für Zucker wird 2025 weiter gesenkt

Um allen Konsument*innen eine Hilfe zur Produktauswahl zu geben, hat SIPCAN klare Orientierungskriterien festgelegt:  Ein Milchprodukt soll maximal 11,5 g Zucker pro 100 ml bzw. g, maximal 4,2 % Fett und keine Süßstoffe enthalten. Aktuell entsprechen immerhin 46 % der insgesamt 980 in die Untersuchung eingeschlossenen Milchprodukte diesen Kriterien, im Jahr 2012 waren es nur 16 %, und das obwohl der Orientierungswert damals noch bei 12,0 g Zucker pro 100 g/ml gelegen ist. Bei den Milchprodukten zum Trinken schneiden aktuell mit 73 % deutlich mehr positiv ab als bei den Milchprodukten zum Löffeln (39 %).  2012 hat dies auf 45 % der Milchprodukte zum Trinken und lediglich 6 % auf jene zum Löffeln zugetroffen. Auffallend ist, dass die Zuckerreduktion in den letzten drei Jahren jedoch beinahe stagniert, ebenso wie der Zuwachs bei den „Positivprodukten“.

 

Um das Erfolgsmodell der schrittweisen Zuckerreduktion auch für Milchprodukte weiter voranzutreiben, wird SIPCAN das Kriterium für den Zuckergehalt nach 2019 (damals reduziert von 12,0 g auf 11,5 g) deshalb nun neuerlich senken: Ab dem Frühjahr 2025 wird der Wert auf 11,0 g Zucker pro 100 ml/mg reduziert. Für 2027 ist außerdem bereits eine Senkung auf 10,5 Gramm in Planung.


„Unsere Ziele sind nach wie vor, dass sich die Zuckeraufnahme aus Milchprodukten weiter reduziert, die Konsument*innen sich schrittweise an weniger Süße gewöhnen und die gesündere Wahl zur leichteren Wahl wird,“ so Schätzer.

 

Tipps für die Praxis

Ganz allgemein gilt die Empfehlung: Je weniger verarbeitet, frischer und natürlicher ein Lebensmittel ist, umso besser:


  • Legen Sie den Fokus auf un- bzw. wenig verarbeitete Lebensmittel, auch bei den Milchprodukten!

  • Achten Sie speziell bei HVL darauf kleine Portionsgrößen zu konsumieren!

  • Achten Sie auf die Nährwertkennzeichnung und Zutatenliste am Etikett! Bevorzugen Sie Milchprodukte mit nur wenigen Zutaten.

  • Merken Sie sich für den Einkauf Ihrer Milchprodukte: Es sollen maximal 11,5 Gramm Zucker enthalten sein! Mit Hilfe des online Zuckerchecks von SIPCAN können Produkte ganz einfach überprüft werden: www.sipcan.at/online-check 

  • Wer sich verstärkt (oder rein) pflanzlich ernähren möchte, sollte auch bei der Auswahl von pflanzlichen Milchalternativen wachsam sein. Auch diese Produkte können im online Zuckercheck von SIPCAN überprüft werden.

 

Mehr über Zuckerreduktion bei SIPCAN

 

Kontakt:

Mobil: 0664/13 82 258


Presseinformation zum Download inkl. Hintergrundinformationen über Hochverarbeitete Lebensmittel:

20240528_SIPCAN_PM_HvL_Milchprodukte
.pdf
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