• Juliana Bhardwaj

Studie: Adipositastherapie in Österreich (Teil 1)

Aktualisiert: 8. Feb.

Science News 02: Therapieangebote für übergewichtige und adipöse Menschen in Österreich – Teil 1.


Aufgrund von sowohl österreichweit als auch international hohen Prävalenzraten spielt die Behandlung von Übergewicht und Adipositas eine immer bedeutendere Rolle. Die damit einhergehende erhöhte Morbidität und Mortalität erfordern effiziente Präventionsmaßnahmen und Therapiemöglichkeiten.


Die Ziele einer Adipositastherapie sind unter anderem eine langfristige Senkung des Körpergewichts, Reduktionen im Hinblick auf Risikofaktoren, Erkrankungen und Mortalität, sowie eine Steigerung der Lebensqualität. Für eine erfolgreiche Therapie wird eine Kombination aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie empfohlen. Auch medikamentöse Behandlungen oder chirurgische Eingriffe können situationsbezogen zum Einsatz kommen.


Um die aktuelle Versorgungsstruktur zu erfassen, sowie Veränderungen und Entwicklungen zu beobachten, führt der vorsorgemedizinische Verein SIPCAN seit dem Jahr 2005 in regelmäßigen Abständen eine bundesweite Erhebung durch. Die aktuelle Studie wurde in Kooperation mit der Österreichischen Adipositas Gesellschaft umgesetzt und es konnten 233 Therapieangebote eingeschlossen werden.


Im Zuge der Studie werden auch Informationsbroschüren mit Auflistungen und Kurzbeschreibungen von Therapieangeboten erstellt. Diese sollen Hilfesuchenden eine Übersicht zu möglichen Anlaufstellen bieten und damit den Therapiezugang erleichtern. Die aktuellen Ausgaben wurden im Jänner 2021 publiziert und stehen auf der Website von SIPCAN zum kostenlosen Download zur Verfügung.


Ergebnisse

* Setting und Therapieformen

Die Analyse zum Setting zeigt (Mehrfachnennung möglich), dass die Adipositastherapie in Österreich vor allem in privaten Praxen (40,8 %), bei niedergelassenen Diätolog*innen (30,9 %) sowie in ambulanten (24,9 %) und stationären (17,6 %) klinischen Einrichtungen stattfindet.


Von 74,2 % der Institutionen wird Ernährungstherapie, von 29,2 % Bewegungstherapie und von 36,9 % Verhaltenstherapie angeboten (Mehrfachnennungen möglich). Chirurgische Eingriffe zur Behandlung der Adipositas kommen in 13,3 % der Einrichtungen und medikamentöse Therapien in 8,2 % zum Einsatz. Dabei erfolgt in 58,4 % der Fälle eine Betreuung durch Ärzt*innen, in 69,5 % durch Diätolog*innen, in 45,1 % durch Psycholog*innen und in 22,3 % durch Ernährungswissenschafter*innen (Mehrfachnennungen möglich). Physiotherapeut*innen sind in 22,7 %, Sportwissenschafter*innen und Bewegungstrainer*innen jeweils in 18,0 % der Institutionen aktiv an den Therapieangeboten beteiligt.


* Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Um eine vielseitige Behandlung zu bieten, ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit (IZ) verschiedener Berufsgruppen in der Betreuung adipöser Menschen von besonderer Bedeutung. In 63,9 % der Einrichtungen findet eine solche Zusammenarbeit statt. Ferner wird in 28,3 % der Fälle in einem lokalen Netzwerk (LN) gearbeitet. Kooperationen, beispielsweise mit der Gemeinde, Sportvereinen oder Fitnessstudios (GSF), gibt es in 41,2 % der Fälle. Verglichen mit den Ergebnissen aus dem Jahr 2018, zeigte sich für alle drei zuvor genannten Teilbereiche ein Rückgang (2018: IZ in 74,6 %, LN in 29,8 %, GSF in 49,3 % der Fälle).


* Qualitätssicherung

Um den Therapieerfolg fachgerecht zu bewerten, wird in 76,8 % der teilnehmenden Institutionen eine Prozess- und/oder Ergebnisevaluierung durchgeführt. Die Verwendung von evidenzbasierten Leitlinien (EL) spielen in der Adipositastherapie eine zentrale Rolle in der Qualitätssicherung. Im Vergleich zur letzten Erhebung 2018 musste ein Rückgang des Anteils an Therapieanbietern, die nach EL arbeiten, von 68,8 % auf 56,2 % beobachtet werden.


* Finanzierung der Therapie

Im Hinblick auf die Finanzierung der Leistungen (Mehrfachnennungen möglich), müssen die Therapiekosten in 63,5 % der Fälle zumindest zum Teil durch private Zahlungen gedeckt werden. In 38,2 % der Fälle erfolgt die Betreuung als Krankenkassenleistung oder wird durch Krankenkassen und andere Versicherungsträger teilfinanziert. Fördergeber und öffentliche Mittel spielen in 12,9 % der Fälle eine Rolle bei der Finanzierung.



Weitere Detailergebnisse zum Therapieangebot erfahren Sie in der nächsten Ausgabe der SIPCAN Science News 03 „Therapieangebote für übergewichtige und adipöse Menschen in Österreich – Teil 2“.



Zitierung:

SIPCAN, Therapieangebote für übergewichtige und adipöse Menschen in Österreich – Teil 1. SIPCAN Science News 2021, Feb; 2.


Download:

SIPCAN_ScienceNews_02_02.2021_Therapieangebote_Teil1
.pdf
Download PDF • 602KB