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Brennpunkt Schulessen: An jeder dritten Sekundarschule kein Mittagstisch

Erhebung zeigt großen Handlungsbedarf für eine gute, nachhaltige Schulverpflegung Presseinformation, 17.01.2024


Das Potential einer gesunden, nachhaltigen und schmackhaften Mittagsmahlzeit im Kindergarten und in der Schule ist riesig. Eine vom vorsorgemedizinischen Institut SIPCAN initiierte Erhebung zeigt nun erstmals: An jeder dritten Schule ab der Sekundarstufe wird gar kein Mittagessen angeboten. Gibt es einen Mittagstisch, wird er nur von 31 % der Schüler:innen genutzt. Die Erfahrung zeigt: Oft fehlt es an Räumlichkeiten oder einem leistbaren Angebot. Der Verein ZUKUNFT ESSEN setzt alles daran, dass eine gute, nachhaltige Schulverpflegung österreichweit Realität wird.



ZUKUNFT ESSEN Obfrau Anna Strobach mit Stakeholdern (Copyright Luca Priller)
ZUKUNFT ESSEN Obfrau Anna Strobach mit Stakeholdern (Copyright Luca Priller)

Von einer gesunden, nachhaltigen und schmackhaften Mittagsmahlzeit im Kindergarten und in der Schule profitieren Kinder langfristig. Es wird nicht nur ein Grundbedürfnis gestillt, sondern auch die Gesundheitskompetenz und Leistungsfähigkeit der Kinder gefördert. Gerade Kindern aus armutsgefährdeten Familien bleibt der Zugang zum Mittagstisch oftmals verwehrt. So hat auch der Ende 2023 im Ministerrat beschlossene “Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der europäischen Garantie für Kinder” im EU-weiten Kampf gegen Kinderarmut unter anderem als Ziel, dass bis 2030 zumindest eine gesundheitsfördernde Mahlzeit pro Tag in allen Schulen kostenlos bereitgestellt werden soll. Ein lobenswertes Ziel, doch wer im Bereich Schule und Verpflegung tätig ist, der weiß: Der Weg bis dahin ist noch weit. Wie gut die Schüler:innen in Österreich tatsächlich zu Mittag versorgt werden, war bis dato nicht bekannt.

 

Neueste Erhebung zeigt: an jeder dritten Schule der Sekundarstufe kein Mittagstisch

Um die Verpflegungssituation der Kinder und Jugendlichen an Österreichs Schulen konkret zu erfassen, initiierte das vorsorgemedizinische Institut SIPCAN in den vergangenen 5 Jahren 3 österreichweite repräsentative Erhebungen. Dabei wurden jeweils über 300 Mittelschulen, Gymnasien und weiterführende Schulen zu ihrer Schulverpflegung befragt. Wie die Auswertung der Daten nun zeigt, sank in den 5 Jahren der Anteil der Schulen, an denen die Kinder ein Mittagessen einnehmen können, von 72 auf 68 %. „Das heißt, dass nach wie vor an jeder dritten Schule ab der 5. Schulstufe kein Mittagstisch angeboten wird. Bundesweit haben damit über 140.000 Kinder ab 10 Jahren keine Möglichkeit, in der Schule eine warme Mahlzeit zu essen. Nachdem von Seiten der Bundesregierung das Ziel gesetzt wurde, den Anteil der Schüler:innen in Nachmittagsbetreuung bzw. in ganztägigen Schulformen weiter zu steigern, ist der Handlungsbedarf für die Bereitstellung einer adäquaten Mittagsverpflegung in Schulen enorm.“ betont Manuel Schätzer, Ernährungswissenschafter bei SIPCAN und Mitgründer des Vereins ZUKUNFT ESSEN. Es wäre auch dringend notwendig genaue Zahlen und Informationen zur Qualität des Mittagessenangebots an Volksschulen zu erfassen.

 

Es braucht ein leistbares Angebot, adäquate Speiseräume und Essen, das schmeckt

Die Ergebnisse der Erhebungen von SIPCAN zeigen auch: Die Teilnahme am Mittagessen ist in den Schulen rückläufig. Lag der Anteil vor 5 Jahren noch bei 38 %, nehmen heute nur mehr 31 % der Kinder und Jugendlichen das Mittagessen an der Schule ein. 

„Tatsache ist: Für viele Familien ist der Essensbeitrag nicht stemmbar. Während die Betreuung am Nachmittag gefördert wird, ist das Essen vielerorts in voller Höhe zu bezahlen. Wenn man will, dass alle Familien Zugang zu ganztägiger Betreuung haben, braucht es die gratis Ganztagsschule in ganz Österreich – kostenloses Mittagessen inklusive. In Wien wird das bereits gelebt. Außerdem mangelt es in den Schulen sehr oft an adäquaten Speiseräumen. Denn essen im Keller, im Turnsaal oder am Gang ist ungemütlich. Da ist es auch kein Wunder, wenn ältere Schüler:innen lieber das Schulhaus verlassen und die umliegenden Verpflegungsmöglichkeiten nutzen.“ unterstreicht Anna Strobach, Gründerin und Obfrau von ZUKUNFT ESSEN. Wie die Studienergebnisse zeigen, befinden sich im Durchschnitt mehr als vier Verpflegungsbetriebe in unmittelbarer Nähe zu jeder Schule.

Geht es um den Gesundheitsaspekt, so können laut der Erhebung von SIPCAN derzeit nur 1 von 3 Schulen bestätigen, dass das angebotene Mittagessen als gesundheitsförderlich eingestuft ist. Das heißt, dass die Mehrzahl der Kinder von Anbietern verköstigt werden, deren Speisepläne keiner externen Kontrolle unterzogen wurden.

 

ZUKUNFT ESSEN unterstützt Vorreiter: So gelingt gutes Schulessen für unsere Kinder in Schule & Kindergarten

„Wir wissen um die vielen Hürden und Tücken bei der Umsetzung einer guten Verpflegung. Wir sind für all jene da, die sich für gesunde Kinder auf einem gesunden Planeten engagieren. Dort können wir gemeinsam gutes Essen für Ihre Kinder Wirklichkeit werden lassen.“ so Anna Strobach. ZUKUNFT ESSEN arbeitet dafür eng mit Küchen, Gemeinden und Regionen zusammen und stellt wichtige Informationen, Know-how und Adressen auf der Plattform www.gutes-schulessen.at zur Verfügung.

In einem 4-jährigen Projekt mit BIO AUSTRIA unter dem Titel „Bio in der Gemeinschaftsverpflegung? Das geht!“ wird ab sofort gemeinsam an einem Strang gezogen – für weniger Lebensmittelverschwendung, mehr pflanzliche Zutaten und mehr Bio und Regionalität. Gefördert wird das Projekt über das Österreichische Landwirtschaftsministerium von Bund, Ländern und der europäischen Union.

 

Gemeinsam voranschreiten: Großer Stakeholderrat

Beim zweiten Stakeholderrat am 11. und 12. Jänner in Wien zum Thema „Schulessen im Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit und Leistbarkeit“ in Kooperation mit der Volkshilfe Österreich und BIO AUSTRIA erfolgte soeben ein weiterer großer Schritt. Über 40 Entscheidungsträger:innen aus der Politik, Verpflegungsbetrieben, Schulen, Ministerien, Umweltabteilungen der Länder u.v.m. gingen der Frage auf den Grund, wie ein gemeinsames Voranschreiten für Nachhaltigkeit und Leistbarkeit beim Schulessen gelingen kann.

Sie fordern:

  • eine kostenlose warme Mahlzeit an allen Schulen bis 2030 (= Umsetzung des Aktionsplans gegen Kinderarmut)

  • 55 Prozent Bio-Anteil in öffentlichen Schulen und Kindergärten bis 2030 (= Umsetzung des Aktionsplans für nachhaltige Beschaffung)

  • die nachweisliche, gesundheitsfördernde Gestaltung der Mittagsverpflegung an Schulen (= Umsetzung der Österreichischen Empfehlungen für das Mittagessen an Schulen)

 


Kontakt für Rückfragen:

Zukunft Essen – Gutes Schulessen für alle! Gemeinnütziger Verein mit Sitz in Rappitsch 6, 9570 Ossiach, Österreich

DI Anna Strobach

Tel.: +43 664 34 60 424


Pressefotos zur freien Verwendung:



Über den Verein ZUKUNFT ESSEN

ZUKUNFT ESSEN ist Kompetenzzentrum und Schnittstelle für gutes Essen im Bildungsbereich in Österreich. Der gemeinnützige, unabhängige Verein wurde 2021 von der Agrarökologin DI Anna Strobach und Ernährungswissenschafter Mag. Dr. Manuel Schätzer, Bundeskoordinator von SIPCAN, gegründet.  ZUKUNFT ESSEN setzt sich dafür ein, dass die Verpflegung aller Schul- und Kindergartenkinder in Österreich gesund, ökologisch, leistbar und vor allem köstlich wird. Sie begleiten, unterstützen und inspirieren Vorreiter:innen für gutes Schulessen, damit sie zu lokalen Gestalter:innen ihres Ernährungssystems werden. Der Verein bietet kostenlose Beratung für Gemeinden, Küchen, Schulen, Kindergärten an.

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