• SIPCAN

Zucker in Getränken: über 500 Produkte im Check

Aktualisiert: 25. Mai

Das sind die Ergebnisse der aktuellen SIPCAN-Studie 2022

Presseinformation, 28.04.2022


Der Getränke-Check des vorsorgemedizinischen Instituts SIPCAN überprüft jährlich über 500 Getränke am österreichischen Markt auf ihren Zucker- und Süßstoffgehalt. Jetzt liegen die Ergebnisse für 2022 vor. Erstmals seit 2012 konnte keine weitere Senkung der durchschnittlichen Zuckermenge beobachtet werden. Weil auch der Anteil an Getränken, die den SIPCAN-Kriterien nicht entsprechen, zunimmt, schlagen die Wissenschafter Alarm. Sie nehmen Produzent*innen, aber auch Konsument*innen, in die Pflicht.


Die dicken Folgen der Pandemie

Die vergangenen beiden Jahre der Corona Pandemie haben uns vieles gelehrt und einiges verändert. Leider auch, dass Übergewicht bzw. Adipositas als Risikofaktoren für zahlreiche Folgeerkrankungen sowie gerade auch für einen schweren Covid-19-Erkrankungsverlauf noch ernst zu nehmender sind. Vor diesem Hintergrund ist zusätzlich besorgniserregend: Gerade während der Pandemie ist der Anteil der übergewichtigen Menschen gestiegen. Aktuellen Daten von über 190.000 Kindern und Jugendlichen aus den USA zufolge sind besonders die Fünf- bis Elfjährigen betroffen: So sind darunter bereits 45,7 Prozent übergewichtig oder adipös, während es vor der Pandemie noch 36,2 Prozent waren. Eine Erhebung der BMI-Daten an Kärntner Volksschulen bestätigt dies auch für Österreich, wenngleich zum Glück auf niedrigerem Niveau: Waren im Herbst 2019 noch 15 Prozent der sieben- bis zehnjährigen Mädchen übergewichtig oder adipös, so lag der Anteil nach einem Jahr Pandemie bereits bei 19,6 Prozent. Noch stärker sind die Buben betroffen: ihr Anteil stieg von 15,4 auf 21,3 Prozent.

Als Ursachen dafür werden die geänderten Lebensumstände durch die Pandemie verantwortlich gemacht: reduzierte körperliche Aktivität und vermehrt sitzendes Verhalten in Kombination mit einer ungünstigen Ernährung.


Risikofaktor: Zucker in Getränken

Speziell eine hohe Zuckeraufnahme durch Getränke steht schon lange in Verbindung mit einem höheren Risiko für Adipositas, denn mit keiner anderen Produktgruppe ist es so einfach in kürzester Zeit sehr große Mengen an Zucker aufzunehmen. So enthält ein Viertel Liter Glas Limonade im Durchschnitt knapp 7 Stück Würfelzucker – und das ist in etwa bereits die Hälfte des täglich empfohlenen Höchstwertes. Dieser wurde von der WHO für einen durchschnittlichen Erwachsenen mit 50 Gramm (ca. 10 Teelöffel) freiem Zucker angegeben. Darin beinhaltet ist auch jener Zucker, der natürlich in Honig, Sirup oder in Fruchtsäften vorkommt. „Zuckerreiche Getränke gelten laut der WHO als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Übergewicht, Adipositas und Diabetes-Typ-2. Eine Übersichtsarbeit über die Studienlage, bei der SIPCAN beteiligt war, zeigte, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Konsum von mit Zucker gesüßten Getränken und Übergewicht gibt“, erklärt Prim. Prof. Dr. Friedrich Hoppichler, Vorstand von SIPCAN und ärztlicher Direktor sowie Internist am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg.


Der Getränke-Check 2022 zeigt: Zuckerreduktion stagniert

„Es ist enorm wichtig ein Bewusstsein für die potentiell hohe Zuckeraufnahme über Getränke zu schaffen, die enthaltenen Zuckermengen aufzuzeigen und die gesündere Wahl zur leichteren Wahl zu machen“, so Dr. Manuel Schätzer, Ernährungswissenschafter und Studienleiter bei SIPCAN. „Dies ist das Ziel des SIPCAN-Getränke-Checks, bei dem jährlich über 500 am österreichischen Markt erhältliche Getränke (in PET-Gebinden sowie Kartonverpackungen von 0,20 bis 0,75 Litern) erfasst werden. Mit unserer Arbeit konnten wir in den vergangenen Jahren zeigen, dass eine positive Änderung im Sinne einer langsamen aber stetigen Zuckerreduktion möglich ist. So ist der Zuckergehalt seit 2010 um beinahe 20 Prozent gesunken.

Die aktuellen Ergebnisse des Getränke-Checks 2022 zeigen aber, dass der durchschnittliche Zuckergehalt im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit 2012 nicht weiter gesunken, sondern bei 6 Gramm stagniert ist (6,06 g pro 100 ml, im Vorjahr: 6,01 g).


Mehr Produkte, die die Kriterien nicht erfüllen

Für eine gesündere Getränkewahl wurden als praxistaugliche Hilfestellung von den SIPCAN-Expert*innen so genannte Orientierungskriterien festgelegt (in Anlehnung an die entsprechenden Kriterien der WHO und der DACH-Referenzwerte). Diese lauten, dass Getränke maximal 6,7 Gramm Zucker pro 100 Milliliter (inkl. natürlich enthaltenem Zucker) und keine Süßstoffe enthalten sollen.


Der aktuelle Getränke-Check zeigt, dass 45 Prozent aller Getränke diese Kriterien immer noch nicht erfüllen, also zu süß sind oder Süßstoffe enthalten. Zudem ist der Anteil im Vergleich zum Vorjahr (42,4 %) sogar etwas gestiegen. 12,1 Prozent aller Getränke sind beim aktuellen Getränke-Check durchgefallen, weil sie Süßstoffe enthalten (12,5 % im Vorjahr). „Das Kriterium „keine Süßstoffe“ wurde deshalb festgelegt, weil der Ersatz von Zucker durch Süßstoffe keine zufriedenstellende Lösung ist. In einer aktuellen Studie mit über 100.000 Erwachsenen konnte gerade der lange vermutete Zusammenhang zwischen Süßstoffkonsum und einem erhöhten Tumorrisiko bestätigt werden. Ziel ist außerdem, dass sich Konsument*innen langfristig an weniger Süße gewöhnen. Und dies gelingt nicht mit Süßstoffen statt Zucker“, so Hoppichler.


So steht man bei SIPCAN auch neuartigen Produkten, bei denen Wasser durch Zugabe einer Mischung aus Vitaminen, Mineralstoffen, Aromen und auch Süßstoffen in ein „funktionales Getränk“ verwandelt werden soll, kritisch gegenüber. „Ich möchte alle Konsument*innen ermutigen bei Getränken, die damit beworben werden wenig oder keinen Zucker zu enthalten aber gleichzeitig süß schmecken, die Zutatenlisten besonders genau zu lesen, um Süßstoffe wie Aspartam, Cyclamat, Sucralose und Co aufzuspüren“, ermahnt Internist Hoppichler weiters.


Appell an Industrie und Konsument*innen

SIPCAN verfolgt das langfristige Ziel den Zucker- und Süßstoffgehalt am Getränkemarkt transparent zu machen und durch konkrete Richtwerte die Süße schrittweise zu senken. „Dies gelingt zum Teil schon recht gut, vor allem durch einen guten Austausch mit der Industrie und dem Handel und besonders auch mit den engagierten Mitgliedern der von SIPCAN wissenschaftlich begleiteten zucker-raus-initiative.at,“ so Schätzer. „Es freut uns, dass immer mehr Unternehmen sich an den SIPCAN-Kriterien orientieren und unser „SIPCAN GECHECKT“ Logo auch für die Kommunikation ihres Engagements nutzen, darunter bekannte Namen wie Spar Österreich, Rauch Fruchtsäfte, Almdudler, Höllinger, Römerquelle, Teekanne, aber auch kleinere innovative Betriebe wie Flora Cola, Hakuma, Nussyy oder die Tea Time Teemanufaktur. Wir appellieren aber nicht nur an die Produzent*innen bei ihren Getränkerezepturen weiter an einer Zuckerreduktion zu arbeiten, sondern ganz eindringlich auch an die Konsument*innen: Checken Sie Ihre Getränke, kontrollieren Sie bewusst Nährwerte und Zutaten, greifen Sie zunehmend zu Getränken mit weniger Süße und achten Sie bei süßeren Getränken ganz gezielt auf eine moderate Portionsgröße“, betont Mediziner Hoppichler.


Online Getränke-Check und praktische APP

SIPCAN möchte die gesündere Wahl zur leichteren machen. Als Service-Angebot können daher alle Produkte des Getränke-Checks online oder mit Hilfe einer App gesucht und die Ergebnisse verglichen werden. Umfassende Download-Dokumente listen alle Produkte nach dem Namen oder Zuckergehalt auf und beinhalten umfassende Hintergrundinformationen und Empfehlungen. Alle Infos finden sich auf www.sipcan.at/zuckerreduktion.


Alle Details zur Methode und zu früheren Untersuchungen finden sich darüber hinaus in unserer Rubrik Science News.



Download der Pressemeldung

20220428_SIPCAN_PM_Getraenkecheck_2022
.pdf
Download PDF • 496KB