• Barbara Holstein

Planetary Health Diet: mehr als nur Essen

Klimawandel und Energiekrise, Plastikmeere und Müllberge, Massentierhaltung und Regenwaldabholzung, Umwelt- und Hungerkatastrophen... Wie kann angesichts der großen ökologischen Belastung unserer Erde die zunehmende Weltbevölkerung zukünftig ernährt werden – und dies möglichst gesundheitsfördernd? Planetary Health Diet – so heißt die vielversprechende Antwort.


Mit der Überschreitung der ökologischen Belastbarkeitsgrenzen und den Folgen daraus (wie dem Klimawandel) ist eine nachhaltige Entwicklung auf unserem Planeten Erde höchst gefährdet. Dabei stellt sich auch die Frage, wie die zukünftige Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen im Jahr 2050 mit einer gesundheitsfördernden Ernährung versorgt werden kann.


Die internationale EAT-Lancet-Kommission, bestehend aus Expert*innen für Gesundheit, Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Politik sowie Landwirtschaft, beschäftigt sich mit diesem Thema. Gemeinsames Ziel ist, die wissenschaftliche Basis für eine Umwandlung des globalen Ernährungssystems zu schaffen. So ist allein dieses für etwa ein Viertel aller menschengemachten Treibhausgase verantwortlich.


Das vielversprechende Ergebnis ist die sogenannte „Planetary Health Diet“ (PHD). Sie steht für eine nachhaltige pflanzenbasierte Ernährungsform, die es ermöglichen kann, alle Menschen der Welt gesund und gleichzeitig klima- und umweltschonend zu ernähren.



Sich gesund und fair zur Umwelt ernähren – das sind die Grundsätze:


  • Mehrwert durch Hülsenfrüchte & Co. Legen Sie den Fokus auf die Aufnahme von Hülsenfrüchten, Gemüse, Vollkornprodukten, Obst, Nüssen und ungesättigten Fetten. Sie enthalten viele Nährstoffe sowie wertvolle Vitamine und Mineralstoffe und liefern zudem auch genügend Energie.

  • Reduktion des Fleischkonsums. Reduzieren Sie vor allem den Verzehr von Rindfleisch. Dieses schneidet beim C02-Fußabdruck sehr schlecht ab und ist somit an der Schädigung unseres Klimas maßgeblich beteiligt. Greifen Sie idealerweise zum regionalen Hühnerfleisch aus biologischer Landwirtschaft.

  • Wenig tierische Lebensmittel. In der PHD liegt generell eine geringere Bedeutung auf tierischen Lebensmitteln. Es werden weniger Milch und Milchprodukte sowie Eier empfohlen als bei den herkömmlichen Ernährungsempfehlungen. Moderate Mengen an Fisch oder Meeresfrüchten ergänzen den Speiseplan.

  • Zucker und gesättigte Fette reduzieren. Auf diese Weise sollen Herzkreislauf-Erkrankungen und Übergewicht minimiert werden. Würde sich die ganze Welt an die Vorgaben der PHD halten, könnten nach wissenschaftlichen Berechnungen jährlich etwa 11 Millionen vorzeitige Todesfälle aufgrund chronischer ernährungsmitbedingter Krankheiten verhindert werden.

  • Individuelle tägliche Mengenempfehlungen. Die Angabe von täglichen Verzehrsempfehlungen erfolgt bei der PHD in gesundheits- und umweltverträglichen Schwankungsbreiten. Dadurch wird sie individuell und flexibel und kann zum Beispiel auf verschiedene Kulturen anpasst werden. Die Ernährungsform ist somit für jeden Menschen und unterschiedliche persönliche Vorlieben umsetzbar.

  • Wissen über Lagerung, Zubereitung, Portionsgrößen und Resteverwertung. 157.000 Tonnen angebrochene und originalverpackte Lebensmittel werden pro Jahr durch Privathaushalte in Österreich weggeworfen. Das sind 19 Kilogramm Lebensmittel, die jährlich pro Kopf in der Mülltonne landen. Sprich: Es werden nicht nur enorm viele Treibhausgase umsonst produziert, sondern auch unser Geldbörserl nutzlos um einige 100 Euro geleert.

  • Adäquate Einkaufsplanung. Die Wertschätzung unserer Lebensmittel beginnt bereits beim Betreten des Supermarktes. Werfen Sie zuvor einen Blick in den Vorratsschrank, erstellen Sie eine bedarfsgerechte Einkaufsliste (vielleicht sogar einen Wochenplan) und gehen Sie nie hungrig einkaufen – ein wesentlicher Schritt, um planloses Einkaufen und die Verschwendung kostbarer Lebensmittel einzudämmen.

  • Immer der Nase nach. Vertrauen Sie auf Ihre Sinne. Auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum schon überschritten ist, kann man Lebensmittel häufig noch bedenkenlos genießen. Vorausgesetzt die Verpackung war verschlossen, das Lebensmittel richtig gelagert und es ist kein Schimmel sichtbar.

  • Regional, saisonal, frisch und pflanzenbetont einkaufen. Integrieren Sie mehr vegetarische Gerichte in Ihren Speiseplan, achten Sie auf die Herkunft der Lebensmittel sowie einen hohen Bio-Anteil. So gestalten Sie Ihr Essen gesund und vor allem nachhaltig.

  • Dem Trend „Meal Prep“ folgen. Das gute alte Vorkochen für ein paar Tage lohnt sich. Gestalten Sie am Wochenende ein Familienevent daraus und investieren Sie etwas Zeit für gemeinsames Zubereiten. Suchen Sie leckere Kochrezepte und verwerten Sie alle Reste, die Sie noch zuhause haben. Lagern Sie die gekochten Speisen im Kühlschrank oder gerne auch mal im Tiefkühlschrank. Mit etwas Vorrat lässt sich gut Zeit sparen und entspannen, wenn es zwischendurch einmal schnell gehen muss.

Was und wieviel wir essen und trinken beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch die unseres Planeten. Nur auf einem gesunden Planeten lässt es sich aber auch gesund leben.



Mehr dazu in diesem Videoclip:

Planetary Health Diet: So können wir mit unserer Ernährung das Klima retten >>