Mit Kaffee und Tee Demenz vorbeugen?

Was wäre, wenn alltägliche Genussmittel wie koffeinhaltiger Kaffee oder Tee nicht nur wacher machen, sondern auch das Demenzrisiko senken könnten? Genau dieser Frage widmete sich eine Studie, die wir in unserer aktuellen Science News beleuchten.
(Science News 37: Koffein und Risiko für Demenz)

Die weltweite Prävalenz von Demenz wird sich bis 2050 voraussichtlich verdreifachen – auf 152 Millionen Betroffene. Eine wichtige präventive Rolle könnte wie so oft ein gesunder Lebensstil spielen. Ob auch Genussmittel, die von vielen Menschen täglich konsumiert werden, hierzu einen Beitrag leisten können, untersuchte eine aktuelle Studie aus dem Journal of the American Medical Association (JAMA).
Methode
Die JAMA-Studie analysierte den Zusammenhang zwischen Kaffee- und Teekonsum und verschiedenen Indikatoren der kognitiven Gesundheit. Grundlage waren große Bevölkerungsdatensätze aus den USA mit mehr als 130.000 Teilnehmer*innen, in denen sowohl Konsumgewohnheiten als auch kognitive Parameter und teilweise bildgebende Befunde erfasst wurden. Ziel der Untersuchung war es, mögliche Assoziationen zwischen der aufgenommenen Menge koffeinhaltiger Getränke und Veränderungen der kognitiven Funktion sowie dem Demenzrisiko zu identifizieren.
Ergebnisse
Personen mit höherer Koffeinaufnahme wiesen im Vergleich zu jenen mit geringem oder keinem Konsum ein um 22 % niedrigeres Demenzrisiko auf. Ein höherer Konsum von koffeinhaltigem Kaffee war im Vergleich zu geringem oder keinem Konsum mit einem um 18 % niedrigeren Demenzrisiko assoziiert. Ähnliche Muster fanden sich bei Tee mit einer 14 %-igen Reduktion des Demenzrisikos bei einem höheren Konsum, während bei entkoffeiniertem Kaffee kein entsprechender Zusammenhang beobachtet wurde. Das niedrigste Risiko, an einer Demenz zu erkranken, zeigte sich bei moderatem Konsum von etwa zwei bis drei Tassen koffeinhaltigem Kaffee, ein bis zwei Tassen Tee oder rund 300 mg Koffein pro Tag. Bei höheren Konsummengen wurde keine weitere Risikoreduktion beobachtet.
Als mögliche Erklärungen diskutieren die Studienautor*innen verschiedene biologische Mechanismen. Koffein könnte neuroprotektive Effekte entfalten, etwa durch die Verringerung proinflammatorischer Zytokine im Gehirn und die Abschwächung neuroinflammatorischer Prozesse. Darüber hinaus enthalten Kaffee und Tee weitere bioaktive Substanzen wie Polyphenole und Antioxidantien. Gleichzeitig betonen die Autor*innen die Grenzen der Interpretation, da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt und daher keine eindeutigen Kausalzusammenhänge abgeleitet werden können. Außerdem wurden keine detaillierten Informationen zur Art des konsumierten Tees (zB grüner vs. schwarzer Tee, koffeinhaltig vs. entkoffeiniert) oder zu spezifischen Zubereitungsmethoden des Kaffees (etwa Bohnenherkunft, Röstgrad oder Brühtechnik) berücksichtigt.
Fazit
Die Studie liefert neue Hinweise darauf, dass regelmäßige Koffeinaufnahme über Kaffee oder Tee mit einem geringeren Risiko für Demenz assoziiert sein könnte. Koffein könnte daher künftig als potenziell unterstützender Faktor für gesundes Altern stärker in den Fokus rücken. Eingebettet in einen insgesamt gesunden Lebensstil könnte eine moderate Koffeinaufnahme ein relevanter Baustein für die Gesundheit des Gehirns darstellen.
Die Ergebnisse liefern neue Impulse für die Debatte über Ernährung, Lebensstil und gesundes Altern und zeigen zugleich, wie komplex die Wechselwirkungen zwischen Konsumgewohnheiten und kognitiver Gesundheit sein können.
Literatur:
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