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Beschleunigter kognitiver Abbau durch Süßungsmittel?

  • Autorenbild: Nadine Gutmann
    Nadine Gutmann
  • vor 27 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit

Ob Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe wirklich eine gesunde Alternative zu Zucker sind, wird zunehmend hinterfragt. Eine neue Studie zeigte nun erstmals: Ein regelmäßiger Konsum künstlicher und kalorienarmer Süßungsmittel könnte auch den kognitiven Abbau beschleunigen – besonders bei Menschen unter 60 Jahren.

(Science News 35: Kollagen: Regelmäßiger Süßungsmittelkonsum und kognitiver Abbau)


Hände halten ein Gehirn

Die weltweite Prävalenz von Demenz wird sich bis 2050 voraussichtlich verdreifachen – auf 152 Millionen Betroffene. Eine wichtige präventive Rolle scheint wie so oft ein gesunder Lebensstil zu spielen. So wurde beispielsweise ein hoher Konsum von hoch verarbeiteten Lebensmitteln, die oft mehrere industrielle Zusatzstoffe enthalten, mit einem beschleunigten kognitiven Abbau und erhöhtem Demenzrisiko in Verbindung gebracht. Eine Studie, die 2025 im Fachjournal Neurology veröffentlicht wurde, untersuchte den Einfluss von Süßungsmitteln und stellt ihre Unbedenklichkeit auch im Hinblick auf den kognitiven Abbau in Frage.


Methode


Die Forschenden beobachteten 12.000 Teilnehmende aus Brasilien über einen Zeitraum von 6 bis 12 Jahren. Der durchschnittliche Süßungsmittelkonsum lag bei 92,1 mg pro Tag. Am meisten wurde Sorbit konsumiert mit durchschnittlich 63,8 mg/Tag, während Erythrit mit 0,1 mg/Tag am geringsten aufgenommen wurde. Zu den Hauptquellen gehörten kalorienarme, hochverarbeitete Lebensmittel wie Light-Getränke, Joghurts, Müsliriegel, aromatisiertes Wasser und Diätgebäck.



Ergebnisse


Nachdem mögliche demografische, gesundheitliche und ernährungsbezogene Einflussfaktoren – darunter Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Bildung, Einkommen, Bewegung, Blutdruck, Diabetesstatus, Alkohol- und Tabakkonsum sowie Gesamtkalorienzufuhr – in den statistischen Berechnungen berücksichtigt wurden, zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen hohem Süßungsmittelkonsum und kognitivem Leistungsabbau. Besonders betroffen waren die Bereiche Gedächtnis, verbale Sprachgewandtheit (die Fähigkeit, Wörter schnell und effizient abzurufen und zu produzieren) und globale Kognition (das allgemeine Niveau der kognitiven Leistungsfähigkeit, das sich über mehrere mentale Funktionsbereiche erstreckt, wie z.B. Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache oder visuell-räumliche Fähigkeiten).


Teilnehmende mit dem höchsten Konsum (höchstes Konsumdrittel mit 102,4–856,5 mg/Tag) wiesen im Verlauf der Beobachtungszeit eine um 32 % höhere Rate des Gedächtnisverfalls, eine 62 % höhere Rate des Rückgangs der allgemeinen Kognition sowie eine um bis zu 173 % höhere Rate des Rückgangs der verbalen Sprachgewandtheit auf – verglichen mit Personen mit geringem oder keinem Konsum. Insgesamt entsprach dies einer beschleunigten kognitiven Alterung um bis zu 1,6 Jahre.


Der negative Effekt zeigte sich vor allem bei Erwachsenen unter 60 Jahren, während bei älteren Teilnehmenden keine statistisch signifikante Verbindung zwischen Süßungsmittelaufnahme und kognitivem Abbau festgestellt werden konnte. Besonders auffällig war der Befund bei Menschen mit Diabetes, bei denen die negativen Zusammenhänge deutlich ausgeprägter waren.


Von den untersuchten Süßungsmitteln – Aspartam, Saccharin, Acesulfam-K sowie die Zuckeralkohole Erythrit, Sorbit und Xylit – zeigten alle einen ungünstigen Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten. Andere Süßungsmittel wie Stevia, Mannit oder Sucralose wurden in dieser Analyse nicht berücksichtigt.



Fazit


Mit dieser Studie wird die Unbedenklichkeit von Süßungsmitteln einmal mehr in Frage gestellt.

Wer auf kalorienfreie Süßungsmittel setzt, sollte seinen Konsum bewusst hinterfragen und den Fokus vermehrt auf natürliche, unverarbeitete Lebensmittel legen. Vor allem Menschen mit Diabetes sollten darauf achten, da sie künstlich gesüßte Produkte häufiger konsumieren und Süßungsmittel in dieser Personengruppe mit stärkeren Beeinträchtigungen der kognitiven Leistung verbunden waren. Auch wenn noch weitere Forschung nötig ist, gilt schon jetzt: Weniger künstlich süßen, bewusster essen und damit aktiv auch zur Erhaltung der kognitiven Leistungsfähigkeit beitragen.

 

Literatur:

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