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So viel Zucker steckt in Milchprodukten

10-Jahres-Ergebnisse der SIPCAN-Studie (2012-2022)

Presseinformation, 22.06.2022


Der Milchprodukte-Check von SIPCAN überprüft jährlich rund 1.000 Milchprodukte am österreichischen Markt auf ihren Zucker- und Süßstoffgehalt – und dies seit 10 Jahren. Jetzt werden erstmals die Ergebnisse der Langzeit-Studie präsentiert: Der durchschnittliche Zuckergehalt ist im letzten Jahrzehnt um über 18 Prozent von 14,1 auf 11,5 Gramm gesunken. Der Anteil an süßstoffhaltigen Milchprodukten reduzierte sich von 15,2 auf 6,9 Prozent.


Für die Ernährungswissenschaft steht es außer Frage, dass Milch und Milchprodukte besonders wegen ihres Kalzium-, Vitamin- und Eiweißgehalts wertvolle Lebensmittel sind. Ist man kein überzeugter Anhänger der veganen Kost, dann sind Milch, Joghurt, Topfen oder Käse auch kaum vom Frühstücks- oder Jausentisch wegzudenken. Milchprodukt ist aber nicht gleich Milchprodukt, und die Angebotsvielfalt an Erzeugnissen ist enorm.


Von Natur aus enthält Milch durchschnittlich 4,6 Gramm Milchzucker pro 100 Milliliter. Große Unterschiede gibt es allerdings beim zugesetzten Zucker, der viele Milchprodukte zu Kalorienbomben werden lässt. Dies stellt im Hinblick auf die Vorbeugung ernährungsassoziierter Erkrankungen ein Problem dar.


Dass SIPCAN die Reduktion des Zuckerkonsums ein Anliegen ist und sich dabei auch für die Reduktion des Zuckergehalts in Produkten einsetzt, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. „Unser Ziel ist es für alle Konsumenten ein möglichst gesundes Angebot zu schaffen und damit auch die gesündere Wahl zur leichteren zu machen“, so Univ. Prof. Prim. Dr. Friedrich Hoppichler, Vorstand von SIPCAN und ärztlicher Direktor sowie Internist am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg. „Bereits seit dem Jahr 2012 nehmen wir daher mit dem Milchprodukte-Check (neben dem Getränke-Check) jährlich rund 1.000 Milchprodukte am österreichischen Markt unter die Lupe.“


Heute fast ein Fünftel weniger Zucker

Die erfreuliche Nachricht: Der durchschnittliche Zuckergehalt hat sich seit 2012 – mit damals noch 14,1 Gramm pro 100 Gramm bzw. Milliliter – um 18,4 Prozent reduziert und liegt heute bei 11,5 Gramm. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Dennoch geben die Wissenschafter*innen zu bedenken: „Mit einem 250 Gramm Becher Fruchtjoghurt, Topfencreme & Co konsumiert man durchschnittlich immer noch eine Zuckermenge, die mit knapp acht Stück Würfelzucker vergleichbar ist (Anmerkung: der natürliche Milchzucker mit eingerechnet)“, rechnet Dr. Manuel Schätzer, Studienleiter bei SIPCAN, vor. Die Zuckermenge in einem 250 Milliliter Glas Milchgetränk, Molke & Co entspricht beinahe sieben Stück Würfelzucker. Das ist doch ein enormer Beitrag am Zuckerkonto, denn die maximale Zuckermenge sollte laut Empfehlungen der WHO je nach Altersgruppe bzw. Energiebedarf nicht über 50 bis 60 Gramm pro Tag liegen (entsprechend rund 13 bis 16 Stk. Würfelzucker).


Einfache Kriterien geben Orientierung

Um Konsument *innen bei der gesünderen Wahl mit weniger Süße zu unterstützen hat SIPCAN klare Orientierungskriterien festgelegt. Diese lauten: Es sollten maximal 11,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm bzw. Milliliter und keine Süßstoffe enthalten sein. Zudem sollte der Fettgehalt maximal 4,2 Prozent betragen.


Süßstoffe vor allem noch in Milchprodukten zum Trinken

Enthielten im Jahr 2012 noch 15,2 Prozent aller Milchprodukte Süßstoffe, so ist dies heute nur noch bei 6,9 Prozent der Fall. Dies betrifft aktuell aber insbesondere Milchprodukte zum Trinken: 11,6 Prozent sind immer noch süßstoffgesüßt (2012: 19,7 Prozent). Bei Produkten zum Löffeln liegt der Anteil bei nur 5,8 Prozent (2012: 13,6 Prozent). „Der Einsatz von Süßstoffen wird heute wissenschaftlich nicht mehr als allgemein sinnvolle Alternative zu Zucker bewertet“, so Primar Hoppichler. Gerade aktuelle Studien zeigen Zusammenhänge von regelmäßigem Süßstoffkonsum mit einem erhöhten Risiko für Tumoren, aber auch für Gewichtszunahme, auf. „Das oberste Ziel in der Gesundheitsförderung und Prävention ist, dass sich Konsument*innen langfristig an weniger Süße gewöhnen. Dies gelingt nur durch eine Reduktion von Zucker UND Süßstoffen.“


Vier von zehn Milchprodukten erfüllen aktuell die Kriterien

Äußerst positiv ist, dass der Anteil an Produkten, die den festgelegten Orientierungs-Kriterien entsprechen von 16,0 Prozent im Jahr 2012 auf mittlerweile 43,1 Prozent gestiegen ist. Und das, obwohl der Grenzwert für Zucker mit 11,5 Gramm seit 2020 sogar niedriger ist als noch damals (12,0 Gramm). „Dies ist auf die sehr positive Reaktion von Industrie bzw. Handel und das großteils gemeinsame Bestreben zur Zuckerreduktion, darunter auch der zucker-raus-initiative.at, zurückzuführen“, so Ernährungswissenschafter Schätzer.


Auftrag zum Handeln!

Gleichzeitig heißt dies aber auch, dass aktuell jedes zweite Milchprodukt immer noch nicht den vorgegebenen Zuckergrenzwerten entspricht. Vor allem bei Milchprodukten zum Löffeln besteht weiterhin ein starker Handlungsbedarf, denn während bei den Milchprodukten zum Trinken bereits 68,4 Prozent die Kriterien erfüllen (2012: 44,9 Prozent), sind zwei von drei Joghurts & Co (63,3 Prozent) nach wie vor zu süß (2012: 93,4).


Gerade in diesem Produktsegment besteht aber auch noch ein großes Potential zur Verbesserung, das über die nächsten Jahre auch genutzt werden sollte. Knapp ein Viertel der Milchprodukte zum Löffeln, die aktuell den Kriterien noch nicht entsprechen, könnten relativ einfach zu einem „Positivprodukt“ werden: Es würde genügen ihren Zuckergehalt pro 100 Gramm um nur 0,5 Gramm (oder teilweise sogar weniger) zu reduzieren. Auch wenn das nicht nach einer großen Maßnahme zur Zuckerreduktion klingt: Wer täglich so eine Portion Milchprodukt (250 Gramm) mit gesamt 1,25 Gramm weniger Zucker verzehrt, könnte dadurch im Jahr immerhin fast ein halbes Kilogramm Zucker einsparen! „Das Potential der Industrie Gutes für die Gesundheit zu tun, ohne dass dabei auf den Genuss verzichtet werden muss, ist also nach wie vor sehr groß“ motiviert Internist Hoppichler abschließend.

Online Milchprodukte-Check und praktische APP

Wer die Details zu seinem Lieblings-Milchprodukt wissen möchte, der kann online unter www.sipcan.at/online-checklisten danach suchen, oder auch in der kostenlos verfügbaren App (Stichwort „SIPCAN Check“).


Umfassende Download-Dokumente listen zudem alle Produkte nach dem Namen oder Zuckergehalt auf und beinhalten umfassende Hintergrundinformationen und Empfehlungen. Alle Infos finden sich auf www.sipcan.at/zuckerreduktion.



Download der Pressemeldung:

20220622_SIPCAN_PM_Milchproduktecheck_2022_final
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