Ein bisschen gesünder – hilft das schon?
- Nadine Gutmann

- vor 2 Stunden
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Etwas mehr schlafen, ein paar Minuten zügig gehen und ein bisschen gesünder essen – schon solche kleinen Veränderungen könnten das Leben verlängern. Eine große Studie schenkt allen Motivation, die sich erst auf den Weg machen und zeigt auf, welches Potential hinter einem gesünderen Lebensstil steckt.
(Science News 36: Science News 36: Prävention beginnt im Alltag: Drei Gewohnheiten für mehr gesunde Lebensjahre)

Ein gesunder Lebensstil – dieses Ziel ist für die meisten Menschen schwierig umzusetzen, kleine schrittweise Optimierungen hingegen schon eher. Eine große Studie mit über 59.000 Erwachsenen untersuchte, ab welchem Ausmaß durch Optimierungen in den Lebensstilbereichen Schlaf, Bewegung und Ernährung zusätzliche bzw. gesunde Lebensjahre gewonnen werden können.
Methode
Die Forschenden werteten Daten von über 59.000 Erwachsenen mit einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von acht Jahren aus. Moderate bis intensive körperliche Aktivität (MIKA) sowie die Schlafdauer wurden über Aktivitätsdaten erhoben, die durch Wearables erfasst und mittels eines validierten Algorithmus umgerechnet wurden. Die Einstufung der Ernährungsqualität erfolgte anhand eines Ernährungsqualitätsindex (Diet Quality Score, DQS), der die Aufnahme von Gemüse, Obst, Getreide, Fleisch, Fisch, Milchprodukten, Ölen und zuckerhaltigen Getränken umfasst (Skala von 0 bis 100; je höher, desto besser die Qualität). Als Gesundheitsspanne definierten die Forschenden die Lebenszeit ohne schwere chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Typ-II-Diabetes, Demenz oder chronisch obstruktive Lungenerkrankung.
Ergebnisse
Die Gruppe mit den ungünstigsten Gewohnheiten (niedrigstes Perzentil) erreichte in der Analyse 5,5 Stunden Schlaf pro Tag, 7,3 Minuten MIKA und 36,9 DQS-Punkte. Im Vergleich dazu war die Lebenserwartung der Gruppe mit nur geringfügig günstigeren Gewohnheiten – fünf Minuten mehr Schlaf pro Tag, 1,9 Minuten mehr MIKA pro Tag (zB zügiges Gehen oder Treppensteigen) sowie 5 DQS-Punkte mehr (zB mit einer zusätzlichen halben Portion Gemüse oder rund 1,5 Portionen Vollkornprodukten pro Tag) – um ein Jahr höher. In Hinblick auf die Gesundheitsspanne erreichte jene Gruppe mit 24 Minuten mehr Schlaf pro Tag, 3,7 Minuten mehr MIKA und 23 DQS-Punkte mehr (zB durch eine zusätzliche Portion Gemüse und eine Portion Vollkornprodukte pro Tag sowie 2 Portionen Fisch pro Woche), bereits vier gesunde Lebensjahre mehr als die Gruppe mit den ungünstigsten Gewohnheiten.
Eine optimale Kombination dieser Verhaltensweisen – sieben bis acht Stunden Schlaf pro Tag, mehr als 42 Minuten MIKA täglich sowie eine hohe Ernährungsqualität von über 57,5 DQS-Punkten – war in der Studie mit einer um 9,35 Jahre längeren Lebenserwartung verbunden. Die Zahl der gewonnenen gesunden Lebensjahre lag mit 9,46 Jahren sogar noch etwas höher.
Die Autor*innen betonen, dass die gemeinsame Wirkung von Schlaf, körperlicher Aktivität und Ernährung größer ist als die Summe der einzelnen Faktoren. Würden Menschen mit den ungünstigsten Lebensstilgewohnheiten beispielsweise versuchen, ihre Lebenserwartung ausschließlich über mehr Schlaf zu verbessern, müssten sie rund 25 Minuten zusätzlichen Schlaf pro Tag erreichen, um ein weiteres Lebensjahr zu gewinnen. Selbst dann würde über den Faktor Schlaf die maximal erreichbare Verlängerung der Lebenszeit nur etwa drei Jahre betragen.
Fazit
Die Studie zeigt, dass Gesundheitsgewinne nicht erst entstehen, wenn Menschen 10.000 Schritte am Tag erreichen, ein ideales Ernährungsprofil erfüllen und jede Nacht perfekt schlafen. Schon kleine, alltagstaugliche Veränderungen – etwa mehr Bewegung im Arbeitsalltag, kurze Aktivpausen, eine gesundheitsförderliche Kantinenverpflegung oder Maßnahmen zur Schlaf- und Regenerationsförderung – können messbare Effekte auf Lebenszeit, Gesundheit bzw. Krankheitslast haben. Damit liefert die Studie auch ein starkes Argument für niederschwellige, bevölkerungsweite Maßnahmen zur Bewegungsförderung und Ernährungsverbesserung.
Literatur:
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