• Juliana Bhardwaj

Fördert Stress den Konsum süßer Getränke?

Science News 16: Zusammenhang zwischen Stress und dem Konsum süßer Getränke bei Jugendlichen während der Pandemie.


Stress gehört zum täglichen Leben. Starker oder chronischer Stress kann jedoch die Gesundheit und bestimmte Verhaltensmuster negativ beeinflussen. Aufbauend auf der früheren Erkenntnis, dass Stress mit der Aufnahme von schmackhafter, energiedichter Nahrung assoziiert ist, wurden im Rahmen einer Masterarbeit aus dem Jahr 2021 Zusammenhänge zwischen der Stresswahrnehmung und dem Konsum von süßen Getränken bei Jugendlichen zur Zeit der COVID-19-Pandemie untersucht.


Methode

Zu diesem Zweck wurden Wiener Schüler*innen der 9., 10. und 11. Schulstufe aus allgemeinbildenden höheren Schulen im Zeitraum April bis Mai 2021 mittels Fragebogen zu ihrer Stresswahrnehmung und ihrem Getränkekonsum im vergangenen Monat befragt. Auch weitere Faktoren bzw. Kontrollvariablen mit möglichem Einfluss auf den Konsum von süßen Getränken wurden ermittelt. Auch der wahrgenommene Einfluss der COVID-19-Pandemie auf das allgemeine Stresslevel sowie auf den durchschnittlichen Konsum süßer Getränke wurde erhoben.


Ergebnisse

Insgesamt nahmen 430 Schüler*innen (weiblich: 52,1 %; Durchschnittsalter: 16,3 Jahre) an der Untersuchung teil. 69,3 % der Teilnehmer*innen nahmen ein gesteigertes Stresslevel aufgrund der Covid-19-Pandemie wahr und 27,7 % empfanden ihren Süßgetränkekonsum als gesteigert.

Um die Stresswahrnehmung der Schüler*innen zu erfassen wurde die 10 Fragen-Version der Cohen‘s Perceived Stress Scale angewandt. Dabei wurde bei einem maximal zu erreichenden Score von 40 im Durchschnitt ein Wert von 20,6 (SD = 7,3) ermittelt, wobei weibliche Teilnehmende höhere Stresswerte erreichten als männliche. Die COVID-19-Pandemie konnte dabei als bedeutender Stressfaktor für Jugendliche identifiziert werden.

Die durchschnittliche tägliche Aufnahmemenge süßer Getränke betrug 551 ml pro Tag, wobei von den männlichen Teilnehmern durchschnittlich höhere Aufnahmemengen genannt wurden als von den weiblichen.

Neben dem Geschlecht und der Aufnahmehäufigkeit ernährungsphysiologisch unvorteilhafter Lebensmittel erwies sich die Interaktion von Stresswahrnehmung und gezügeltem Essverhalten als signifikanter Prädiktor für die tägliche Aufnahmemenge süßer Getränke.

Ein signifikanter Haupteffekt von Stress konnte allerdings lediglich für die tägliche Aufnahmemenge von koffeinhaltigen Süßgetränken ermittelt werden. Demnach berichteten jene Schüler*innen mit einer erhöhten Stresswahrnehmung im vorangegangenen Monat von einem höheren Konsum koffeinhaltiger Süßgetränke in diesem Zeitraum.


Schlussfolgerungen

Die beobachtete positive Assoziation zwischen der mitunter pandemiebedingten Stresswahrnehmung und der Aufnahme koffeinhaltiger Süßgetränke ist besonders hinsichtlich potenzieller Gesundheitsauswirkungen einer langfristigen und höheren Aufnahme süßer Getränke bedeutsam. Jugendliche, insbesondere jene mit einem ausgeprägten gezügelten Essverhalten, könnten hinsichtlich ihres Konsumverhaltens in Bezug auf Getränke von einer gezielten Stressreduktion profitieren.



Quelle:

Peter Bastian Preissler. Zusammenhang zwischen Stress und dem Konsum süßer Getränke bei Jugendlichen. Masterarbeit. 2021.

Zur Masterarbeit >>


Zitierung:

SIPCAN, Zusammenhang zwischen Stress und dem Konsum süßer Getränke bei Jugendlichen während der Pandemie. SIPCAN Science News 2022, April; 16.


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